Zukunftsprojekt: Circular Valley

Nachdem die Wuppertalbewegung e.V. erfolgreich die Projekte Nordbahntrasse, Schwarzbachtrasse und den Aussichtspark Belvédère abgeschlossen hat, wendet sie sich jetzt unter dem Namen “Circular Valley” einem neuen, großen Projekt zu, mit dem sie einen Beitrag zur Lösung eines Globalen Problems leisten und gleichzeitig den Industrie- und Wissenschaftsstandort Wuppertal stärken und zu einem Hotspot für Zukunftstechnologien machen will.

Als das „Manchester an der Wupper“ war unsere Stadt auf dem europäischen Kontinent die Geburtsstätte der ersten Industriellen Revolution. 1767 wurde an der Bockmühle in Heckinghausen die erste mechanische Flechtmaschine entwickelt. Sie wurde ein Exportschlager in ganz Europa. Das Bild von August Wille „Blick auf Barmen um 1850“ zeigt ein Wuppertal, das von Fabrikgebäuden und Schornsteinen dominiert wird. Damals steigerte sich die Wirtschaftsproduktion beim Übergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft massiv. Es war der Beginn einer Entwicklung, die bis heute anhält und in der Folge für Milliarden Menschen einen immer höheren Lebensstandard und immer erschwinglichere Produkte aller Art hervorgebracht hat. Diese machen unser Leben vielfach einfacher und angenehmer, belasten aber mit ihren Emissionen und mit ihrem Abfall weltweit massiv die Umwelt.

Unsere “lineare Wirtschaft” entnimmt der Natur im großen Maße Ressourcen, verarbeitet bzw. verbraucht sie für den Konsumenten. Am Ende verbleiben Emissionen in Luft, Boden und Wasser. Die immer effizienter und in größeren Mengen gefertigten “Wirtschaftsgüter” landen nach ihrem Gebrauch auf Deponien (in Deutschland nur noch sehr wenig), werden in Müllverbrennungsanlagen thermisch verwertet oder enden häufig zu mehr als 20% Prozent unkontrolliert in der Umwelt. So etwa das nun viel diskutierte Plastik in den Weltmeeren. Selbst in Deutschland als einem Voreiterland des Recycling wird von einigen Stoffen wie Glas und Metallen abgesehen, ein Großteil der „Post Consumer Produkte“ (Abfall) nicht wertgleich wiederverwendet.

Im Dezember 2015 hat die Europäische Kommission mit ihrer Kommunikation „Closing the loop – An EU action plan for the Circular Economy“  die Schließung von Stoffkreisläufen als wesentliches Zukunftsthema auf die Agenda gesetzt. Seit letztem Jahr ist es auch ein ganz wesentlicher Teil des „Green Deal“ der EU. Die Schließung der Stoffkreisläufe (“Circular Economy”) wird – wie wir finden zu recht – als absolutes Zukunftsthema gesehen, als die 5. Industrielle Revolution nach Mechanisierung, Dampfmaschine, Elektrifizierung und Digitalisierung.

Warum sollten Technologien und Geschäftsmodelle dieser 5. Industriellen Revolution nicht dort entwickelt und weiterentwickelt werden, wo auf dem europäischen Kontinent auch die erste industrielle Revolution vor rund 250 Jahren begann – in Wuppertal!  Um Missverständnissen vorzubeugen: wir wollen Wuppertal nicht zum Recyclinghof Europas machen sondern zur Ideenschmiede und zum Ort, wo zusammen mit der bergischen Industrie/ Werkzeugindustrie und den Wissenschaftseinrichtungen Prototypen und exportierbare Technologien entwickelt werden.

Die Startposition ist gut:

  • Bergische Firmen sind bei vielen industriellen Spitzenprodukten global aktiv, innovationsstark und -freudig
  • Im Umkreis von weniger als einer Autostunde um Wuppertal herum gibt es zahllose Firmen mit Bedarf an „Circular-Lösungen“
  • Mit dem Wuppertal Institut und dem CSCP verfügt unsere  Stadt in diesem Bereich seit Jahrzehnten über einen renommierten Think Tank
  • Wuppertal steht seit dem Bau der Schwebebahn für innovative Lösungen bei neuen Problemen
  • Wir verfügen über eine starke Universitätslandschaft

Obwohl das Projekt ‘anders’ ist als die bisherigen Projekte der Wuppertalbewegung,  setzt es die bisherigen Projekte fort, denn auch sie waren „Re-Cycling“, nämlich von   alten Bahntrassen in Freizeitwege.

Das Projekt befindet sich zur Zeit in der intensiven Entwicklung: Gespräche mit Vertretern der Politik, der Wirtschaft und der Wissenschaft und die Suche nach einer geeignetetn Lokation.

Lesen Sie hierzu das Interview des 1. Vorsitzenden der Wuppertalbewegung e.V. Dr. Carsten Gerhardt mit mit der Wuppertaler Rundschau (Ausgabe 09. Mai 2020) und den Redakteuren Stefan Seitz und Roderich Trapp sowie die Präsentation “Circular Valley – für eine globale Kreislaufwirtschaft” .