Stadtentwicklung: Verein sucht neue Wege für die Stadt Wuppertal

Stadtentwicklung: Verein sucht neue Wege für die Stadt Wuppertal

Dienstag, den 21. April 2020 um 17:15

WZ Interview von Manuel Praest
Die Nordbahntrasse ist ein Erfolgsmodell, hat Wuppertal bundesweit bekannt gemacht. Der Vorsitzende Carsten Gerhardt und die Wuppertalbewegung, die den Anstoß zu diesem Projekt gaben, sind dafür vielfach ausgezeichnet worden — und haben nachgelegt: Seit Ende vergangenen Jahres können Fußgänger und Radfahrer nun auch die Schwarzbachtrasse nutzen. Doch der Verein denkt weiter. „Circular Valley“ ist der Arbeitstitel des neuesten Projektes. Das Ziel: Wuppertal soll zu einem „Hotspot“ für Zukunftstechnologien werden. Die WZ sprach mit Carsten Gerhardt über die kommenden Aufgaben und Herausforderungen.

Mit der Nordbahn- und der Schwarzbachtrasse ist die Wuppertalbewegung bekannt geworden. Wie schwierig ist jetzt der Themenumschwung? Oder etwas provokant gefragt: Kann der Verein etwas anderes als Verkehr?

Carsten Gerhardt: Als wir vor 15 Jahren gestartet sind, hätte da jemand geglaubt, dass wir die Trassen hinbekommen? Also das komplette Programm mit Planung, Antragsstellung und Bau? Die Schwarzbachtrasse wurde sogar ungeachtet der überhitzten Baukonjunktur „in time“ und unter Budget fertig. Und vorher hat von uns auch niemand einen Radweg gebaut. Ich denke, die Wuppertalbewegung hat den Beweis angetreten, dass sie große Strahlkraft ausübt, um gemeinsam mit Bürgern aller Altersklassen, Fachleuten, Unternehmern, Politik und
Verwaltung Dinge in der Stadt voranzubringen.

Warum wollte man weg von Trasse & Co.?

Gerhardt: Die aus unserer Sicht von den Panoramen her schönsten Trassen einschließlich der wunderbar gepflegten öffentlichen Parkanlage Belvedere sind fertig, weshalb wir uns etwas anderes suchen wollten. Vielleicht planen wir in ferner Zukunft noch mal den Brückenschlag nach Schwelm für die Trassen, aber zunächst ist das Ziel etwas anderes, was nichts mit Verkehr zu tun hat.

Was steht denn hinter „Circular Valley“?
Gerhardt: Es soll ein Ort werden, an dem Lösungen für das Megathema „Circular Economy“ entwickelt und zur Anwendung gebracht werden sollen. Es geht hierbei um eine Wirtschaft, die versucht, Abfälle zu reduzieren und Stoffe in einem Kreislauf zu nutzen. Um Missverständnissen vorzubeugen: Wir wollen Wuppertal nicht zum Recyclinghof Europas machen, sondern zur Ideenschmiede und zum Ort, wo zusammen mit der bergischen Industrie/der Werkzeugindustrie Prototypen und exportierbare Technologien entwickelt werden.

Wie kann das gelingen?
Gerhardt: Ziel ist eine hochwertige Wiederverwendung von Stoffen. Was das „Silicon Valley“ für die Halbleiter und Folgetechnologien war und ist, kann Wuppertal als „Circular Valley“ für „Circular“-Technologien und – Themen werden.

Das klingt erst einmal etwas abstrakt. Wie könnte das denn konkret aussehen?
Gerhardt: Bei Details muss ich mich noch etwas zurückhalten. Wir wollen nicht vorgreifen, aber es laufen bereits erste Gespräche mit potenziellen Partnern. Auch einen möglichen Ort haben wir im Auge. An diesem Ort sollen junge Firmen mit Ideen und etablierte Firmen mit Interesse an Innovation aus dem Bereich der ,Circular Economy’ zusammenkommen. Sie sollen gemeinsam Geschäftsmodelle entwickeln, die gleichzeitig den Menschen, der Umwelt und der Wirtschaft nützen. Es geht darum, aus Erfindungen Produkte zu machen. In diese Entwicklungen wollen wir, wie immer, möglichst viele einbeziehen.

Warum bietet sich Wuppertal aus Ihrer Sicht dafür an?
Gerhardt: An dieser Stelle zitiere ich den ehemaligen Leiter des Historischen Zentrums, Eberhard Illner: „Wuppertal war eine der Quellen der Industrialisierung, wo immer schon auch eine soziale Komponente mitgedacht wurde.“ Als das „Manchester an der Wupper“ war unsere Stadt im 18. Jahrhundert Geburtsstätte der ersten Industriellen Revolution auf dem europäischen Kontinent. Die Schließung der Stoffkreisläufe wird als absolutes Zukunftsthema gesehen, als die fünfte Industrielle Revolution nach Mechanisierung, Dampfmaschine, Elektrifizierung und Digitalisierung.
Das komplette Interview finden Sie unter: WZ online

Foto: Anna Schwartz

von Christa Mrozek